Die Gründung meines eigenen Modelabels “Marenika”

Stell dir vor, du hast eine Gründungungsidee, aber du bist dir unsicher, ob es den Aufwand überhaupt wert ist und ob jemand überhaupt an deinem Produkt interessiert ist. Und nun stell dir die beiden Worst-Case-Szenarien vor: Jemand hat in ein paar Jahren deine Idee umgesetzt und ist damit sogar erfolgreich. Oder du hast es selbst gewagt, aber es hat nicht (sofort) geklappt. Worüber würdest du dich mehr ärgern?

Das war ein Gespräch, was ich mit einer Freundin vor zwei Jahren führte, nachdem ich ihr meine Idee zu nachhaltig produzierten Crop-Tops erzählt habe. Die Idee, nachhaltige Mode nicht nur bekannter zu machen, sondern auch sexy, schick und elegant gleichzeitig. Einfach „cool“ und nicht mehr verstaubt. Aus einem fixen Gedanken wurden Grübeleien und aus Grübeleien wurden Recherchen. Aus Recherchen resultieren Anrufe, woraus schlaflose Nächte voller positiver Energie und Gedanken folgten. Die Gedanken an ein eigenes Modelabel. Sie ließen mich nicht mehr los und ich kam ins grübeln. „Warum nicht?“. Warum nicht einfach mal machen und was wagen, wofür man ohnehin schon Feuer und Flamme ist?

So erging es mir 2019 während meiner Bachelorthesis, als ich über „Fairfashion auf Social Media – Eine Analyse der Marketingkampagnen von nachhaltigen Modeunternehmen auf Instagram und Unternehmens-Blogs“ schrieb. Je mehr ich mich mit dem Thema während meiner Abschlussarbeit beschäftigte, desto mehr Lust bekam ich selber ein eigenes Modelabel zu gründen und meine Ideen in die Tat umzusetzen. Ich wollte in allen Punkten so ökologisch wie möglich sein. Aber wie gründet man ein eigenes Modelabel? Wie gründet man überhaupt ein Unternehmen? Und wie kommt man an die Kleidungsstücke, die man grob im Kopf hat? Genau diese Fragen hatte ich im Sommer 2019 kurz danach bereits wieder verworfen, nachdem sie aufgeflammt und mir zu hoch gewachsen waren.

Fast genau zwei Jahre später launchte ich am 01.Mai 2021 mein erstes Oberteil „Elisa“ mit meinem eigenen Modelabel namens „Marenika“. Wie es dazu kam, welche Umwege ich gegangen bin und was auf mich zukam, womit ich niemals rechnete, habe ich hier für dich aufgeschrieben. Ungeschönt, ehrlich und total chaotisch, wie das Leben eben spielt. Kommst du mit auf meine Reise und machst einen Zeitsprung ins Jahr 2019? Ja? Na dann los 🙂

Aller Anfang ist schwer

Mai 2019. Ich machte gerade Mittagspause von der Bachelorthesis und sonnte mich vor der Kieler Christian-Albrecht-Universitätsbibliothek. Ein Anruf von Sofie von einer Kieler Textilfirma, welche ich ein paar Tage zuvor kontaktiert hatte, holte mich aus meinen Gedanken. Ich war seit Tagen auf der Suche nach einem Textilhersteller für kleinere T-Shirt Auflagen gewesen. Nachdem ich schnell eine kleine nachhaltige Textilfirma im Herzen von Berlin gefunden hatte und schon dabei war, die ersten Schnittmuster zu erstellen, stellte sich allerdings nach ein paar E-Mails heraus, dass es nicht mit ein paar 100€ zu stemmen war. Es waren Mindestauflagen notwenig und die Kosten stiegen direkt auf mehrere Tausend Euro an. Für mein anfänglich kleines Vorhaben war das deutlich zu viel. Das war also eine Nummer zu hoch für mich. Ein anderer Weg musste her.

Nach ein paar weiteren Tagen Recherche, stieß ich auf ein kleines Label, welches Kleinstauflagen von GOTS-zertifizierten T-Shirts verkaufte. Ich suchte die Firma heraus und fand schnell einen Zwischenhändler in Kiel. Nach ein paar E-Mails mit Sofie rief sie mich an dem besagten Tag an und fragte mich, wie ich mit meinen Planungen vorankomme. Ich erzählte ihr von meinem Vorhaben, nachhaltige Crop-Tops zu produzieren und bekam mit Sofie einen großartigen Kontakt an meine Seite. Nach ein paar Tagen war die Auswahl auf zwei T-Shirt Rohlinge gefallen, die ich mir vor Ort ansah. Die Qualität war ausgezeichnet und das Material wunderbar weich. Ich war begeistert von der Farbauswahl, dem Service und natürlich dem GOTS-Siegel. Ich nahm also zwei T-Shirts in jeweils zwei Größen mit und nähte mir den Saum zu Hause um. Nach einigen Tagen hatte ich dann endlich mein passgenaues Crop-Top, genau so wie ich es wollte.

Ich trug es den halben Sommer und bekam sogar von Freunden die Frage, woher es sei. Daraufhin erzählte ich einigen von meiner Idee und stellte Ihnen das Oberteil genauer vor. Die Meinungen waren geteilt. Die Einen waren begeistert und wollten mehr wissen und die anderen verunsicherten mich mit Fragen zur Unternehmensgründung, Unternehmensform, rechtlichen Schwierigkeiten und finanziellen Mitteln zur Existensgründung. Nach einigen Wochen der Recherche befand ich mich mit einem Eiskaffee und meinem 6 seitigen Businessplan auf dem Balkon und war vollends verwirrt. Was ist ein Rentabilitätsplan? Was bringt mir ein Vorsteuerabzug? Wie werde ich überhaupt Unternehmerin? Gibt es einen Unterschied zwischen Gewerbe und Unternehmen? Warum laufe ich Gefahr verklagt zu werden, wenn ich keine Waschanleitung in die T-Shirts einnähen lasse? Und vorallem: was weiß ich alles noch nicht? Die Fragen wurden immer mehr und die Antworten waren immer verwirrender.

Nach ein paar Wochen verwarf ich den Gedanken des eigenen Modellabels und teilte Sofie von der Textilfirma meinen Entschluss mit. Ich war zum einen traurig und geknickt, dass ich kann Lösungen fand und es nicht funktionierte, aber freute mich zum Anderen auf meinen Studienabschluss und den Ballast, den ich mir mit dem Entschluss von den Schultern geladen habe. Aber das war nicht das letzte mal, das wir uns hören sollten..

Verflixtes Jahr 2020

Mai 2020. Dieses Jahr war verhext! Nachdem ich in Hamburg meinen Job im E-Commerce und kurze Zeit später meinen damaligen Freund verlor und die Corona-Pandemie über mir zusammen brach, brauchte ich eine Auszeit um den Scherbenhaufen genauer zu untersuchen. Ich fuhr also in meine Heimat in den Harz und nahm mir eine Pause vom ganzen Chaos. Hier hatte ich Zeit zum verarbeiten, grübeln, durchatmen und konnte mich fragen, was mich wirklich glücklich macht und wo ich mich in ein paar Jahren sehe. Ich las Bücher wie man eine Trennung überwindet, wie man zu sich selbst findet und wie man Kraft aus unsicheren Zeiten zieht. Buchtipps an dieser Stelle: Beziehungsleben: Wie du die Lösung für eine erfüllende Partnerschaft findest. Ein Beziehungsratgeber für Paare und Singles, Starkes weiches HerzWie Mut und Liebe unsere Welt verändern können, Der unendliche AugenblickWarum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind und Trennung überwinden: Der Weg vom Liebeskummer zur Lebensfreude. Ein Trennungsratgeber für Herz und Verstand.

Nachdem mich die Gedanken aus dem Tief rausholten und mir neue Perspektiven schafften, schlichen die Gedanken langsam wieder zu einem eigenen Modelabel. Genauer gesagt zu einer eigenen Capsule Wardrobe, bestehend aus gekürzten Oberteilen und gemütlichen High-Waist Hosen und Röcken. Mit 162cm gehöre ich zu den kleineren Menschen, die sich mir dieser Art von Kleidung immer gerne optisch ein paar Zentimeter dazu schummeln. Wie oft ich auf Instagram auf 1,80 geschätzt werde, ist immer wieder lustig. Die minimalistische Kleidung sollte gemütlich, schick, aber auch sexy und natürlich fair produziert sein. Mit neuem Elan gepackt setzte ich mich also erneut an die Arbeit und versank für einige Wochen in Planungen, die mich von dem draußen herrschenden Chaos ablenkten. Ich kramte mein selbst gekürztes Oberteil aus meinem Koffer und ein lächeln huschte mir über die Lippen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“. Ich war mitten in einer Krise und hatte nichts zu verlieren. Also legte ich los.

Der Entschluss – jetzt aber wirklich!

Juni 2020. Innerhalb von ein paar Wochen hatte ich wieder meinen Traum vor Augen und der Ehrgeiz war entfacht. Ich plante Schnitte, Farben, überflog meine Kollektions-Ideen, kalkulierte Kosten und setzte mich an die Namensfindung. Wie sollte mein Label heißen?

Meiner erste Idee war „AFair – geh Fastfashion fremd!“. Fairfashion sollte so aufregend wie eine Affäre sein. Da ich mich mit Markenrecht nicht auskannte, bat ich meinen befreundeten Patent-Anwalt Dirk (Hallo Dirk :)) um Hilfe. Nach einigen Telefonaten und Hinweisen, wie man eine Marke beim deutschen Marken- und Patentamt, kurz DPMA, anmeldet und was Nizza-Klassen sind, begaben wir uns auf die Suche.

Zuallererst musste ich definieren, was ich für Waren verkaufe. Daraus bilden sich die sogenannten Nizza-Klassen. Anschließend sucht man die Marke und phonetisch ähnlich klingende Marken beim DMPA und hofft, dass es keine Ergebnisse liefert. In meinem Fall musste ich also zu “AFair” auch alles mit “Affäre” suchen. Die Markenrecherche ließ den Markennamen „AFair“ daher innerhalb von Minuten für mich Platzen. Der Name war phonetisch schon in vielen gleichen Nizzaklassen. Die Enttäuschung war da und ich brauchte ein paar Wochen für die nächste Idee. Aber auch der nächste Vorschlag wurde wieder abgelehnt, da sich eine Nizza-Klasse überschnitt.

Zwei weitere Monate später hatte ich dann eine Idee. Ich schrieb meinen vollen Namen auf – Franziska Renate Marth. Daraufhin nahm ich ihn in einzelnen Silben und Buchstaben auseinander und baute ihn wieder an einer anderen Stelle wild aneinander. Ohne die neu entstandenen Wörter zu bewerten, kamen Namen wie Mareni, Mafairini, Mafrini, Fenika, Mareniz und darunter auch Marenika dabei raus. Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf von Dirk und hörte ihm aufgeregt zu, dass die Recherche keine Überschneidungen oder ähnliche Riskikofaktoren ergab. Endlich! Marenika konnte also endlich angemeldet werden. Und weiter ging es mit der Suche nach einer Produktionsstätte..

Bestandsaufnahme – Wo stehe ich?

Juli 2020. Ich war inzwischen wieder von Hamburg nach Kiel gezogen und hatte einen wundervollen Sommer mit meinen Freunden. Der Stress und das Durcheinander aus Hamburg konnten langsam abklingen. Ich wohnte wieder in meinem kleinen 13qm großen Zimmer in der alten Studenten-WG mit meinem besten Freund (Hallo Johann 😉 ) und arbeitete selbstständig bei einigen Kieler Firmen als Social Media- und Content Managerin. Die Aufträge waren großartig und ich hatte das Glück von tollen Auftraggebern und Auftraggeberinnen zu profitieren. In meiner freien Zeit lerne ich Ukulele und Kitesurfen und saß Abends an Planungen für Marenika. Es ging endlich wieder bergauf.

Allerdings suchte ich unentwegt nach Wohnungen in Kiel, da ich meinen Hamburger Hausstand mit 30qm nicht in ein Zimmer mit 13qm verkleinern konnte. Und so wohnte ich ganze 4 (!) Monate mit unausgepackten, unter die Decke gestapelten Kartons und hoffte jeden Tag auf eine kleine, schnuckelige Wohnung mit Balkon und weitem Blick in die Ferne.

Nach unzähligen Enttäuschungen wurden meine Gebete im September endlich erhört und ich lernte Paula, meine Vermieterin samt Traumwohnung, kennen. Ich wusste, dass es genau die Wohnung werden sollte und bekam ein paar Tage später direkt die Zusage. Das Universum hatte mein Glück und meine Nerven diesmal aber wirklich hinaus gezögert. Im November durfte ich dann endlich einziehen. Es gab also endlich einen Termin. Den Sommer über konnte ich mich weiter entwicklen und neu definieren und wurde von meinem besten Freund aufgebaut. Im November konnte ich mich dann endlich in meiner neuen 30qm großen Wohnung mit Balkon und Blick auf den Kieler Fernsehturm vollkommen auf Marenika konzentrieren. Und so war es dann auch. Ich zog um und war direkt für die nächsten sechs Monate in Planunen, Vorbereitungen und Ideen zu Marenika versunken – und unendlich glücklich!

Die Produktentwicklung von Marenika

November 2020. Ich wohnte nun in meiner neuen Wohnung und konnte endlich richtig loslegen. Also lies ich keine Zeit vergehen und schrieb meine Textilfirma aus Kiel erneut an und fragte nach ein paar T-Shirts aus der neuen Kollektion. In der Zeit hatte ich schon genaue Vorstellungen entwickelt und wusste genau was ich wollte. Ein paar Wochen später stand ich bei der Textilfirma vor der Tür und wurde wieder freundlich von Sofie begrüßt.

Eine Stunde später hatte ich eine kleine Auswahl von möglichen T-Shirts mit verschiedenen Farben und Schnitten zusammengestellt und nahm sie mit nach Hause. Außerdem war das Material nicht nur besonders weich, sondern mit 200GSM auch dicker als die üblichen T-Shirt Stoffe, was mir besonders gefiel. Nachdem ich die T-Shirts innerhalb kürzester Zeit angepasst hatte und schon Lob für den eleganten Schnitt bekam, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Es ging also wirklich los und ich war voller Energie.

Wie geht es nun weiter?

November 2020. Ein GOTS-zertifizierter T-Shirt Rohling und eine regionale Textilfirma in Kiel war gefunden. Doch wie geht es nun weiter? Welche Größen sollen zu Anfangs ins Sortiment genommen werden? Auf welche Maße sollen die jeweiligen Größen umgenäht werden? Und wer kürzt sie mir fair, nachhaltig und regional? Zunächst machte ich mich auf die Suche nach einer sogenannten Lohnnäherei in Deutschland. Allerdings wurden mir meine Fragen zum Thema Fairness am Arbeitsplatz bei 90% der angefragten Nähereien zu ungenügend beantwortet. Daher musste ich weiter recherchieren und stieß aus Zufall auf eine kleine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen aus Schleswig Holstein.

Ich hatte mit Urte direkt einen tollen Kontakt an die Hand bekommen und fühlte mich gut aufgehoben. Sie erzählte mir wie die Arbeit in der Werkstatt und in der Näherei abläuft. Wer dort arbeitet und wie die Arbeitsbedingungen sind. Ich fand den Kontakt und den sozialen Faktor in der Werksatt großartig. Nach ein paar weiteren Mails über die Details zu den T-Shirts, sendete ich ein Test-T-Shirt zum umnähen in die Werkstatt. Nach zwei Wochen bekam ich ein perfekt gekürztes T-Shirt und einen Kostenvoranschlag von Urte und willigte ein.

Also hatte ich endlich meinen regionalen und sozialen Partner gefunden, der die T-Shirts zu Crop-Tops kürzt. Nun waren die Arbeiten um das Produkt endlich abgeschlossen und es konnte mit dem Logo-Design für die Webseite, der Textiletiketten und den Verpackungsmaterialien weiter gehen. Zu dem Zeitpunkt trug ich das erste T-Shirt schon während des gesamten Tages. Ich schlief Nachts darin, trug es den Tag über und machte Abends Sport darin. Außerdem wollte ich schauen wie es sich auf der Haut anfühlt und wie es nach dem waschen aussieht. Von Tag zu Tag verliebte ich mich mehr in mein kleines Projekt und die Neugierde wuchs..

Und damit begann der bürokratische Wahnsinn

Januar 2021. Jetzt gingen für mich die Arbeiten los, vor denen ich mich schon lange gedrückt hatte. Der Businessplan musste bis ins letzte Detail verfeinert werden, die Markenanmeldung musste durchgeführt werden, Gründerzuschüsse mussten näher betrachtet werden und und und. Da ich zu dem Zeitpunkt eine unerschöpfliche Energie in mit trug, lag der Businessplan nach zwei Wochen Arbeit endlich vor mir. In der Zwischenzeit hatte ich mir schon einen Termin bei der IHK Kiel besorgt (Liebe Grüße gehen raus an Herrn Lehmann 🙂 ). Hier wurde sich mein Businessplan nach einem kleinen Seminar für grüner*innen genauer angeschaut um mögliche Risiken aufzudecken. Nachdem die Risiken meiner Unternehmungen auf ein Minimum reduziert wurden, stand der Gründung nicht mehr viel im Wege. Ich wusste zu dem Zeitpunkt wie, wo, was, wann, wieviel und zu welchem Preis produziert werden konnte. Es fehlte nur noch eins – mein ok.

„Wäre es einfach, würde es jeder machen“
Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich so in die ganzen Planungen gestürzt, dass ich gar nicht mehr zurück rudern konnte. Ich hatte schon meine ganzen Freunde, meine Familie und so viele Helfer involviert. Und trotzdem kamen zu dem Zeitpunkt leise Zweifel. Schaffe ich das alles alleine? Habe ich an alles gedacht? Was ist, wenn es die Leute doof finden? In diesen schwachen Momenten holte ich mir ganz viel Kraft und Bestätigung von meiner Familie und meinen Freunden. In Zeiten der Unsicherheit, welche so schöpferisch und großartig sein können, wurde mir erst bewusst was für ein Glück ich mit meinem Umfeld habe. Mir wurde von großartigen Menschen der Rücken gestärkt und ich wurde liebevoll zu meinem Glück geschubst. Vergiss daher nie, deine Familie und Freunde mit ins Boot zu holen, damit du bis zum Ende durch hältst1 Eine Gründung ist mit viel Freud und Leid gleichermaßen verbunden. Wenn du aufgibst wirst du nie erfahren, was es hätte werden können… Also wischte ich meine Bedenken zur Seite und gab die Bestellungen an meine Lieferanten auf. Und es waren viele.. viele Bestellungen.. und viel Geld was du plötzlich raus schleuderst, ohne zu wissen, ob es sich lohnt. Aber es macht auch verdammt viel Spaß!

Cuánto cuesta?

März 2020. Was für Kosten kamen also auf mich als frischgebackene Unternehmensgründerin zu? Da ist zu aller erst die Gewerbeanmeldung. Die ist schnell gemacht und kostet um die 30€. Danach kommen ca. 1000€ für die Markenanmeldung beim Deutschen Marken- und Patentamt (kurz DPMA) hinzu. Falls die Recherchen, wie in meinem Fall, Übereinstimmungen in den Nizza-Klassen ergeben (mehr dazu im 1. Teil des Blogposts), kannst du die Recherche jedes Mal erneut mit ca. 300€ anrechnen, bis es keine Überschneidungen mehr gibt. Ein kleiner Tipp, wenn du ein Unternehmen gründen möchtest: Plane IMMER (!) einen finanziellen Puffer ein. Denn es kommt immer etwas dazwischen, was nicht eingeplant war. Bei mir war es z.B. die Überlegung einen passenderen Domain für Marenika zu kaufen. Das hätte mich allerdings weitere 800€ gekostet. Deshalb habe ich keinen .de Domain sondern eine .shop Adresse. Obwohl ich viel lieber eine .de Adresse gehabt hätte. Tief durchatmen, kurz ärgern, weiter machen!

Manchmal müssen Abstriche gemacht werden, welche aber im Endeffekt gar nicht schlimm sind. Wenn sich ein Problem herauskristallisiert, atme tief durch, suche ruhig nach einer Lösung und es wird sich immer eine finden. Manchmal sind die Lösungen sogar besser als die Anfänglichen Wünsche. Zum Beispiel finde ich den Namen Marenika viel schöner, als meine zuvor ausgedachten und durch das DPMA abgelehnten Namen.

Vorausgesetzt wir haben nun den Markennamen offiziell angemeldet. Wie geht es nun weiter? Welche Kosten kommen noch? Natürlich die Kosten des Wareneinkaufes – dem eigentlichen Produkt, um das es geht. Das sind bei mir die T-Shirt Rohlinge, Textillabel, Nähgarn und Versandmaterialien, wie Versandkartons und Postkarten. Wenn dann in jedem Punkt versucht wird so nachhaltig, ressourcenschonend und regional wie möglich zu arbeiten, kommen erheblich mehr Kosten auf einen zu. Die Kartons sind z.B. aus regionalem Graspapier und das Garn aus 100% GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle aus einem kleinen Familienbetrieb aus Deutschland. Das sind alles Kosten, die von vornherein eingeplant werden müssen. Das Webseitenhosting findet bei mir zum Beispiel über Biohost, einem ökologischen Hostinganbieter in Norddeutschland statt und kostet dementsprechend etwas mehr. Deshalb besteht der Verkaufspreis eines T-Shirts auch nie aus dem reinen Produktionsreis, sondern setzt sich aus vielen verschiedenen Positionen zusammen. Zu Anfangs waren das natürlich recht viele Positionen bei mir, die zu begleichen waren. Aber wenn der Busninessplan ordentlich und gewissenhaft erarbeitet und kalkuliert wurde, kommen währenddessen wenige oder gar keine bösen Überraschungen. Trotzdem musste ich nach den ganzen Zahlungen an meine Lieferanten und Dienstleister erstmal tief durchatmen und eine Flasche Wein öffnen. Denn ab jetzt führte kein Weg mehr dran vorbei. Ich war jetzt Unternehmerin, mit allem was dazu gehört – Prost!

Ein Anruf später

Das Telefon klingelte und Sofie von der Textilfirma aus Kiel war dran. „Hey Sofie“. „Hey Franzi, deine Shirts sind jetzt bestellt. Die Labels bringen wir dann auch für dich an. Ich muss dich aber noch was fragen. Sollen wir das GOTS-Siegel anbringen? Denn wenn du du sie noch in der Behindertenwerkstatt umnähen lässt, sind wir ja nicht mehr der letzte Betrieb in der Lieferkette und können es dir somit nicht mehr ausstellen. Nicht, dass wir uns da missverstehen. Die Lieferkette darf nicht unterbrochen werden..“.

Wir telefonierten ein paar Minuten und ich begriff, dass ich nun nicht mehr mit dem Siegel werben konnte, das mir von Anfang an so wichtig gewesen war. Neben den ganzen Arbeiten hatte ich diesen Punkt einfach außer Acht gelassen. Ausgerechnet ich! Ich kenne jedes nachhaltige Siegel auswendig und informiere auf meinen Kanälen über die Nachhaltigkeitskriterien und dann habe ausgerechnet ich diesen Punkt einfach zwischen der ganzen Organisation nicht bedacht. Aber natürlich muss die Lieferkette von vorne bis hinten vom Global Organic Textile Standart (kurz GOTS) zertifiziert sein. Und die Behindertenwerkstatt hat leider (noch) nicht dieses Siegel. Somit durfte ich mit den GOTS-Zertifizierten T-Shirt Rohlingen nicht mehr mit dem GOTS-Siegel werben, da ich den letzten Schritt in der Behindertenwerkstatt nicht GOTS zertifizieren lassen konnte. Auch, wenn es unter fairen Bedingungen zu geht und eine regionale Produktion ermöglicht. Da ich mittlerweile schon so weit mit der lieben Urte von der Werkstatt geplant hatte und mich sehr wohl mit der Kooperation fühlte, willigte ich ein und durfte nicht mit dem Siegel werben. Ein kleiner Rückschritt, den ich letzten Endes aber gerne in Kauf nahm. Ich sagte mir, dass ich erst am Anfang stehe und mir das Siegel später holen würde. Also ging es weiter und ich setzte mich wieder an die Programmierung der Webseite.

Die letzten Vorbereitungen kosten die meiste Zeit

April 2021. Die T-Shirts waren mittlerweile endlich in der Werkstatt und wurden umgenäht. Endlich ein paar Tage wo ich kurz durchatmen konnte. Und dann gingen die letzten Arbeiten los, die wie ich dachte, ganz entspannt machen könnte. Hatte ich schon erzählt, dass ich mir zu Anfangs grob einen Monat für die Programmierung der Webseite eingeplant hatte? Ach.. wie man sich verschätzen kann. Es wurden dann vier Monate! Ein Shopsystem integrieren, Versandoptionen bestimmen, AGB und Datenschutzerklärung verfassen, gehören zwar nicht zu den anstrengendsten Aufgaben, aber auch wirklich nicht zu den spannendsten. Und so zogen sich die letzten Aufgaben über Monate hinweg.

Ein Tag auf den ich mich aber ganz besonders freute, war das Shooting. Ich hatte in meiner Zeit in Hamburg Carina von Fotostudio Augenblicke kennen gelernt (Hallo Carina :)) und mich in ihre Arbeiten verliebt. Für mich war daher schon von vornherein klar, wer meine Kollektion in Szene setzen soll. Wir planten das Shooting seit Beginn des Jahres und ich nervte Carina um jede Tages- und Nachtzeit (Sie verdient einen Orden). Ich sendete ihr unzählige Fotos, Ideen, Skizzen und sie sendete mir ihre Ideen dazu zurück. So entwickelten wir Beide zusammen über Monate hinweg ein Shooting, worauf wir beide uns riesig freuten. Am 17.04.2021 war es dann endlich soweit und es ging los. Carina setzte meiner Freundinnen gekonnt und einfühlsam in Szene und sorgte dafür, dass alle großartig aussahen. Ohne Carina wäre dieses Label daher nicht wie es nun ist. Die Webseite würde anders aussehen, die Postkarten, der Instagram-Auftritt. Das alles habe ich einer Fotografin zu verdanken, die ihr Handwerk versteht – Danke Danke Danke Carina!

Der Sprint auf den letzten Metern

Das Shooting war geschafft und Carina saß nun von Morgens bis Abends an der Bildbearbeitung und der Sortierung von Bildern im vierstelligen Bereich. In der Zwischenzeit standen bei mir letzte Arbeiten an. Zum Beispiel das Design der Postkarten, die ich in den Versandkartons dazu legen wollte. Auf die Rückseite sollten alle wichtigen Infos zur Rückgabe sowie eine persönliche Nachricht unterbracht werden. Damit die Postkarte nicht zum Wegwerf-Produkt verkommen sollte, wurde ein schlichtes, minimalistisches Design gewählt, was sich auch gut an der Wand machen konnte.

Anschließend arbeitete ich die fertig bearbeiteten Bilder vom Fotoshooting in die Webseite ein und programmierte mit einem guten Freund (Hallo Thorben 🙂 ) zusammen in der letzen Phase von morgens bis Abends fleißig nebeneinander die letzten Schwierigkeiten des Shops um. Wenn eine Aufgabe gelöst war, ging es direkt mit einer Anderen weiter. Und so ging es Tag ein Tag aus, bis der 01.05.2021 näher rückte..

Ein Unternehmen zu gründen ist wie eine Geburt. Du läufst Monate schwanger mit einer Idee im Bauch herum und es wächst und wächst und wächst. Nachdem du es Monatelang gehegt und gepflegt hast und es endlich aus dir draußen ist und das Licht der Welt erblickt hat, musst du es füttern, behutsam pflegen und ihm laufen beibringen. Und der Geburtstermin von Marenika sollte der 01.Mai 2021 werden.

Der große Tag

Am 01.Mai war es dann soweit und es war alles soweit fertig, dass es das Licht der Welt erblicken konnte. Ich war furchtbar aufgeregt. Einen Tag zuvor hatte ich auf Instagram einen Countdown eingestellt, der am 01.05.2021 um 13:00 Uhr ablaufen sollte und damit den Launch dieser Webseite und den offiziellen Start symbolisierte. Die Nacht war ich total unruhig und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Auch am nächsten Morgen war ich den ganzen Tag total hibbelig und bekam später Unterstützung von einer Freundin. Um 12:50 Uhr war die Aufregung dann auf dem Höhepunkt und ich hoffte nur noch, dass alles glatt gehen würde. Die Zeit verging und dann zählte der Countdown langsam runter, bis er um 13:00 Uhr stoppte. Ich entfernte einen gesetzten Haken im Webseiten-Backend und die Webseite ging online! Und damit war Marenika offiziell geboren und ich war die Gründerin (die danach ein paar Weinchen getrunken hat, um sich zu beruhigen..).

Und den Rest kennt ihr ja, wenn ihr dem Account marenika.shop auf Instagram folgt.

Schlussgedanken

Wie ihr seht, gründet man ein Label nie alleine. Dazu gehören wichtige Kontakte, die einem den Rücken stärken, Kontakte, die dich voranbringen und Kontakte, die viele Arbeiten um ein Label herum erledigen. Bei mir zählten zur Unternehmensgründung folgenden Menschen zur Gründung dazu: Meine Schwester Lisa, meine Mama, meine Fotografin Carina, mein Anwalt Dirk, Sofie von der Textilfirma, die liebe Urte von der Behindertenwerkstatt und meine Freunde Johann, Thorben, Jana und Alex, die mir in dieser Zeit sehr viel zur Seite standen.

Last but not least haben mich zu der Zeit viele nachhaltige, frauengeführten Fairfashion Labels inspiriert, wie Sina von Mamoana, Cosima von COS Ordinary Sucks, Daria von Dariadéh die mich zu dem Schritt inspirierten und mir mit ihren ehrlichen Einblicken die Gründungszeit überstehen ließen. Auch, wenn ich gerade am Beginn von Marenika stehe und noch nicht weiß wo die Reise hingeht, so hat es sich für mich schon gelohnt. Ich bin aufgegangen in dem was ich tat und konnte mich vollkommen austoben in meinem Bereich. Die Corona-Pandemie hatte zwar einige Wege versperrt, aber während der Reise auch immer wieder neue geöffnet. Daher kann ich nur jedem Menschen dazu raten, zu machen wovon du träumst und den Weg zu gehen! Träume wollen ge- und erlebt werden. Und stell dir vor, in ein paar Jahren gibt es jemanden, der genau deine Idee umsetzt und sie wird zum Erfolg. Wie ärgerlich wäre das? Also: Leg Los! Es wird sich lohnen! Und wenn du schon mit dem Gedanken spielst, ein Modelabel zu gründen, kannst du mich gerne anschreiben. Ich habe den Anfang ganz alleine beschritten und viele Fehler gemacht, die ich im Nachhinein zum Glück schnell umändern konnte. Aber der Weg ist das Ziel und ein Unternehmen wächst langsam mit der Zeit. Gib dir also die Zeit und genieß den aufregenden und spanenden Weg der vor dir liegt 🙂

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